1 Frau und 4 Männer sitzen um einen Tisch herum auf dem sehr viele Fotos liegen.
Die "Zeitdetektive" bei der Arbeit. Foto: sbb

Fortsetzung Startseite "Zeitdetektive aus dem Rathauskeller!

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Alle 14 Tage dienstags von 18 Uhr trifft sich die Gruppe im Keller des Rathauses, um Neuzugänge an historischem Material zu sichten, zu sortieren, in einen zeitlichen Kontext zu bringen und zu digitalisieren. „Moderne Archivarbeit hat immer weniger mit dem klassischen Bild der staubigen Akten zu tun. Denn jede Arbeit wird digitaler. Dies sichert nicht nur Kulturgut, es erleichtert auch die Recherche, denn das Samtgemeindearchiv versteht sich als Dienstleister für Mitarbeiteer der Samtgemeindeverwaltung und für Forschende oder Privat“, erklärt von Husen. Im neuen Blog nimmt er mit „Hinter die Kulissen“.

 

Die Aufgaben in der Archivgruppe sind klar verteilt: „Die Herren scannen das historische Material, die Damen die Zeitungsartikel“, beschreibt von Husen. „Was uns in der Gruppe noch fehlt, sind Bürger aus Marl und Brockum“, gibt er zu bedenken und hofft, dass sich Freiwillige und an Lokalgeschichte Interessierte finden. Gern auch junge Bürger. Und Bürger wie Stubbe, Friedl und Binnewitt mit dem „gewissen Blick von außen auf die Samtgemeinde“. Die drei sind nämlich keine hier Geborenen, sondern stammen aus der Lüneburger Heide (Stubbe), aus Bünde (Binnewitt) und Thüringen (Friedl). Binnewitt kommt ins Schwärmen: „Ich bin in Bünde geboren, war als Kind mit den Eltern am Dümmer und dann 35 Jahre in Frankfurt und habe mich zur Rente in Lemförde und seine besondere Geschichte verliebt.“ Ihre Wahlheimat ist ihr so ans Herz gewachsen, dass sie dem Aufruf sofort nachkam. „Wie kann ich mehr lernen als mit dem Schmökern in der Geschichte?“. Monika Stubbe wollte mehr über Lembruch, den Dümmer und die Region erfahren, als sie von ihrem Mann Ralf wusste. Harald Friedl interessieren alte Karten und er möchte, wenn er demnächst in Rente geht, sich noch viel mehr engagieren. Andre Rogge ist Informatiker und der perfekte Part in der Gruppe für die Digitalisierung. „Ich finde Geschichte und die Archivierung sehr spannend“, sagt der Youngster im Team. Bruno Matzke: „Er ist einfach ein Alleswisser über Hüde und Lembruch und ein Profi in Ortsgeschichte“, sagt von Husen. Mit ihm hat er bereits die zwei Chronikbände über Hüde erarbeitet.

 

Montagabend liegt ein riesiger Haufen Fotos und Postkarten auf dem großen Tisch. Ungeordnet, zeitlich different. Daneben ein Stapel wunderbarer Fotoalben, aus der Zeit, als noch Wert auf Ausführung der Kladde gelegt wurde, die Fotos mit Fotoecken eingesteckt und mit zarter Pergamentseite zum Schutz getrennt. Schwarz-weiß, Sepia oder in den typischen Farben der 1970/80er Jahre, mit glattem oder geriffeltem Rand. Zwei wunderbare Keks- und Mehldosen, leicht angerostet, runden den Fundus ab. „Das hat mir alles Frau Niemeyer aus Diepholz übereignet“, erklärt von Husen. Niemeyer, Diepholz? So fängt immer die Recherchearbeit an. Schwarmintelligenz und Teamspirit treibt die Archivare an. Jeder weiß was und schmeißt man zusammen, entsteht ein fast vollständiges Bild.

 

Wie immer bekommen die Mitarbeiter auch an diesem Abend „Hausaufgaben“. Fotos müssen eingescannt, beschriftet und in der Region eingeordnet werden. „Ein Problem ist immer, das kennt jeder Nachfahre bei Auflösung eines Haushaltes, dass Bilder nicht beschriftet sind. Kennt man die Person nicht oder kann man bei ganz alten Fotografien die Sütterlinschrift nicht entziffern, wird es schwer“, weiß von Husen. Dann kämen er und sein Team ins Spiel. Familienbilder werden zu Zeitzeugen und dokumentieren Arbeits- und Lebenswelt und damit Zeitgeschichte. „Bilder sind konservierte Erinnerungen, die sich mit den Erzählungen der Familienangehörigen zu einer Geschichte entfalten“, schwärmt von Husen. Da er jetzt Hilfe hat und noch auf weitere hofft, leistet die Gruppe eine „klassische doppelte Buchführung“.

 

Verbleibt der Fundus im Lemförder Archiv, wandern die Zeugnisse in einen schwarzen Karton und ins klimatisierte Archiv. Aber nicht, bevor sie nicht digitalisiert sind. „Aber wer weiß, wie das mit der Technik und der Lesbarkeit weitergeht“. „Papier überdauert Jahrhunderte“, kommentiert Fachfrau Monika Stubbe, die lange in der Papierindustrie tätig. Das digitale Findbuch wird Pool für Dokumente mit Signatur, Titel und Laufzeit. Die Zusammenstellung erfolgt nach Sachgebieten und nach biographischen, topografischen und sachlichen Gesichtspunkten. Am Beispiel von vier Fotografien von Anselm Höfelmeier aus Hüde, die einen Trauerzug in der NS-Zeit zeigen, verdeutlicht von Husen, wie schwierig stumme, bildliche Dokumente sind, wenn kein Zeitzeuge sagen kann oder will: „Den oder die kannte ich“.

 

Hier beginnt die Herausforderung für die Archivmitarbeiter: „Denn der auf dem Bild festgehaltene Moment lässt sich bisher weder näher datieren, noch sind der Hintergrund der Beerdigung oder die Namen der Beteiligten bekannt. Das fehlende Grün an den Bäumen stützt die Annahme, dass die Beerdigung in den Monaten Oktober bis April stattgefunden haben dürfte. Wohnort der/des Verstorbenen könnte der Bereich östlich der Bundesstraße 51, vielleicht auch das Marler Fladder gewesen sein“, so steht es im Blog. Die Arbeit wie beim Fernsehformat „Aktenzeichen XY“ beginnt. Sachdienliche Hinweise sind erwünscht.

 

Wer Pläne, Fotos, Schriften und Dokumente zur Historie der Samtgemeinde besitzt oder wer beraten werden möchte, ist herzlich eingeladen das Archiv zu kontaktieren. Von Husen ist wichtig zu informieren, wie Archivarbeit funktioniert und wie spannend sie ist.

 

News

Neuester Beitrag 9/2025 im Archiv-Blog auf der Homepage der Samtgemeinde Lemförde: „Vor hundert Jahren: Das Kreistierschaufest mit Gewerbeausstellung in Lemförde 1925“.

 

Kontakt

Ansprechpartner Ludger von Husen,

Tel. 05443/20961 (donnerstags 10 bis 12 Uhr),

E-Mail: [email protected]

 

Bericht und Fotos stammen aus dem Heft "Panorama" Beilage viertel-/halbj. des Diepholzer Kreisblattes.

Historische Fotos. BruM


Blicke in die Lemförder Vergangenheit

Sechs Menschen sitzen um einen Tisch auf dem alte Fotografien liegen.
Zeitdetektive im Lemförder Rathauskeller

Februar 2025. Der Archiv-Blog „Fotos und Dokumente erzählen Geschichte(n)“ ist seit dem Jubiläum des Flecken Lemförde im Jahr 2023 stattlich gewachsen. Eigentlich war der Blog nur als temporäres Angebot begleitend zum Jubiläum gedacht. Bei Archivar Ludger von Husen kamen aber so viele Nachfragen, dass er Anfang letzten Jahres einen Aufruf startete und um ehrenamtliche Hilfe bat, um den Blog weiterentwickeln zu können. Sechs interessierte Bürger meldeten sich bei ihm: Bruno Matzke (Hüde), Andre Rogge (Quernheim), Rita Binnewitt (Lemförde), Monika Stubbe (Lembruch) und Harald Friedl (Lemförde/Wehdem). Auch ein Jahr später „sind alle noch an Bord“, freut sich von Husen, bei dem alle Fäden zusammenlaufen. Und der, wie er sagt, die „historische Datenbank“ im Hirn hat.

 

Wer Pläne, Fotos, Schriften und Dokumente zur Historie der Samtgemeinde besitzt und sie teilen möchte, ist eingeladen, das Archiv zu kontaktieren. Ansprechpartner ist Ludger von Husen, Tel. 05443/20961 (donnerstags 10 bis 12 Uhr), E-Mail: [email protected]

2 Männer in einem Archiv
Blick in das klimatisierte Lemförder Archiv.

 Alle 14 Tage dienstags um 18 Uhr trifft sich die an Geschichte interessierte Gruppe im Keller des Lemförder Rathauses, um den Nachschub an historischem Material zu sichten, zu sortieren, in einen zeitlichen Kontext zu bringen und zu digitalisieren. „Was uns in der Gruppe noch fehlt, sind Bürger aus Marl, Stemshorn und Brockum“, gibt von Husen zu bedenken und hofft, dass sich Freiwillige und an Lokalgeschichte Interessierte finden werden. Gern sind auch junge Bürger gefragt oder solche, die wie Stubbe, Friedl und Binnewitt mit dem „gewissen Blick von außen auf die Samtgemeinde“ schauen. Die drei sind nämlich nicht im Lemförder Land geboren, sondern stammen aus der Lüneburger Heide (Stubbe), aus Bünde (Binnewitt) und Thüringen (Friedl). Alle wohnen aber in der Samtgemeinde und interessieren sich sehr für die Geschichte. Rita Binnewitt kommt ins Schwärmen: „Ich war als Kind mit den Eltern am Dümmer und dann 35 Jahre in Frankfurt und habe mich als Rentnerin in Lemförde und seine besondere Geschichte verliebt.“ Ihre Wahlheimat ist ihr so ans Herz gewachsen, dass sie dem Aufruf sofort nachkam. „Wie kann ich mehr lernen als mit dem Schmökern in der Geschichte?“

Viele alte Fotos in Schwarz-Weiß, Sepia und Farbe
So viele Bilder, so viele verborgene Geschichten ...

Monika Stubbe wollte mehr über Lembruch, den Dümmer und die Region erfahren, als sie von ihrem Mann Ralf wusste. Harald Friedl interessieren alte Karten, und er möchte, wenn er demnächst in Rente geht, sich noch viel mehr engagieren. Andre Rogge ist Informatiker und der perfekte Part in der Gruppe für die Digitalisierung. „Ich finde Geschichte und die Archivierung sehr spannend“, sagt der Youngster der Truppe. Dann noch Bruno Matzke: „Er ist einfach ein Alleswisser über Hüde und Lembruch und zudem ein Profi in Ortsgeschichte“, sagt von Husen über ihn. Mit ihm gemeinsam hat er bereits die zwei Chronikbände über Hüde bearbeitet.

 

Welche konkreten Aufgaben erledigen aber von Husens Mitstreiter im Lemförder Archiv? Auf dem großen Tisch im Archivar-Büro des Rathauses liegt ein Teil der Antwort: ein riesiger Haufen Fotos. Ungeordnet, auch zeitlich durcheinander. Daneben ein Stapel wunderbarer Fotoalben aus der Zeit, als noch Wert auf Ausführung der Kladde gelegt wurde. Die Fotos sind mit Fotoecken eingesteckt und mit zarten Pergamentseiten voneinander getrennt. Schwarz-weiß, Sepia oder in den typischen Farben der 1970er/80er-Jahre, mit glattem oder geriffeltem Rand. Zwei wunderbare Keks- und Mehldosen, leicht angerostet, runden den Fundus ab. „Das hat mir alles Frau Niemeyer aus Diepholz übereignet“, erklärt von Husen.

Alte, verrostete Keksboxen mit noch älteren Fotografien darin.
2. Leben: Diese Boxen beherbergen jetzt Fotos anstatt Kekse

„Wackers Schorse“? Da klingelt es

 Niemeyer, Diepholz? So fängt immer die Recherchearbeit an. „Das sind Fotos, Postkarten, Dokumente und ein Führerschein zur Hofstelle Wacker in Hagewede.“ Da klingelt es bei den Einheimischen. „Wackers Schorse“, meint Matzke. Und auch Monika Stubbe ist lange genug am Dümmer, um die Hofstelle, die sich längst in die Gaststätte „Zur Eiche“ verwandelt hat, zu kennen. Langsam tasten sich die „Hobby-Geschichtler“ an den Fundus. „Das ist doch der alte Sportplatz, die Theke, könnte das Frau Wacker sein, die die besten Bratkartoffeln der Region machte?“ Schwarmintelligenz und Teamspirit treiben die Archivare an. Und so ist das immer. Jeder weiß was, und schmeißt man zusammen, entsteht ein fast vollständiges Bild.

 

Fast genau vor einem Jahr rief von Husen zur Hilfe auf: „Sie möchten sich ehrenamtlich engagieren? Wir bieten Ihnen die Mitarbeit im Samtgemeindearchiv Lemförde an. Sinnvoll wäre die Mitarbeit für einen längeren Zeitraum, denn das Eingewöhnen in alte Schriften braucht seine Zeit.“ Dieses Anforderungsprofil hat die Helfer nicht abgeschreckt, sondern inspiriert. Sie bekommen auch an diesem Abend „Hausaufgaben“ mit nach Hause. Fotos müssen eingescannt, beschriftet und in der Region eingeordnet werden. „Ein Problem ist immer, das kennt jeder Nachfahre bei Auflösung eines Haushaltes, dass Bilder nicht beschriftet sind. Kennt man die Person nicht oder kann man bei ganz alten Fotografien die deutsche oder Sütterlinschrift nicht entziffern, wird es schwer“, weiß von Husen. Dann kämen er und sein Team ins Spiel.

 

Vermeintliche Familienbilder werden zu Zeitzeugen und dokumentieren Arbeits- und Lebenswelt und damit Zeitgeschichte. „Bilder sind konservierte Erinnerungen, die sich mit den Erzählungen der Familienangehörigen zu einer Geschichte entfalten“, schwärmt von Husen. Da er jetzt Hilfe hat und noch auf weitere hofft, leistet die Gruppe eine „klassische doppelte Buchführung“. Verbleibt der Fundus im Lemförder Archiv, wandern die Zeugnisse in einen schwarzen Karton und ins klimatisierte Archiv. Aber nicht, bevor sie nicht digitalisiert sind. „Aber wer weiß, wie das mit der Technik und der Lesbarkeit weitergeht.“ „Papier überdauert Jahrhunderte“, kommentiert Fachfrau Monika Stubbe, die lange in der Papierindustrie tätig war und ein Lächeln beim Betrachten der über hundert Jahre alten Fotos im Gesicht hat. (sbb)

 

Kontakt

Wer Pläne, Fotos, Schriften und Dokumente zur Historie der Samtgemeinde besitzt und sie teilen möchte, ist eingeladen, das Archiv zu kontaktieren. Ansprechpartner ist Ludger von Husen, Tel. 05443/20961 (donnerstags 10 bis 12 Uhr), E-Mail: [email protected]

 

Quellenangabe: Diepholzer Kreisblatt vom 23.01.2025, Seite 13


Hüde - "Klein-Worpswede"?

Drei Gedenktafeln für fünf Künstler/ „Ich glaub, ich bin im Märchen“

 

Hüde – Bruno Matzke und Kim Oliver Lange wussten es immer: Hüde reiht sich ein in namhafte Orte, die Maler und bildende Künstler mochten. Worpswede, Dangast, Ahrenshoop. Überall in Europa gibt es Orte, zu denen sich Künstler wegen der Aura, des Lichts oder der Ruhe hingezogen fühlten, um zu arbeiten. Jetzt stehen die von Matzke und Lange geplanten drei Gedenktafeln der Künstler aus Hüde an den Orten ihres Schaffens. Beim Fototermin stellt sich schnell heraus: „Eigentlich sind es ja fünf Künstler, von denen wir hier sprechen.“ 

 

Gemeint sind der als „Picasso von Hüde“ bekannte Spätexpressionist Erich Adolf Klauck,  der Landschaftsmaler Josef Meyenberg, der wie Klauck, in Hüde residierte. Es reiht sich das Ehepaar Edith und Walter von Sanden-Guja ein, die ihr Werk mit Landschaftsbeschreibungen durch die ökologische Brille und Bronzeskulpturen Hüde und dem gesamten Dümmer hinterließen. Das sind vier: Hinzu kommt die Grafikerin Erika Klauck. 

 

Matzke und Lange „schmeißen“ ihr Wissen zusammen. Sie möchten mit den drei Tafeln auf die Anziehung des Ortes am See und der Liebe der Künstler dazu aufmerksam machen. Die zwei arbeiteten schon häufiger zusammen: Matzke ist Autor in den zwei Bänden der Hüder Dorfchronik und Lange steuerte die Geschichte des Naturforscher-Paares von Sanden-Guja bei. Aus Mitteln der Dorfentwicklung (Kleinstmaßnahmen) finanzierten sich die Schautafeln.

Am Haus der Von-Sanden-Gujas (Von Sanden Strasse) steht Tafel eins. Mit Blick auf das „Rabbingsche Haus“ (Molenweg) gibt es Informationen zu Josef Meyenberg. Zu den Klaucks finden Spaziergänger mit etwas Zeit zum Lesen die Kurzgeschichte zum Künstlerpaar an ihrer ehemaligen Wirkungsstätte (Haus Ecke Hohen Weg/Rohrdommelweg). Die Tafeln lesen sich spannend, die Lebensläufe sind unterschiedlich, aber eins eint die Künstler: Alle fühlen sich magisch vom Ort angezogen.

 

Josef Meyenberg (1891 bis 1977)

Meyenbergs Liebe ging so weit, dass er verfügte, statt im Wohnort Bad Essen, auf Burlages Friedhof bestattet zu werden. Der detailgetreue Landschaftsmaler hielt die Stimmung beim Anblick von Weite und Einsamkeit der Seelandschaft, Brüche und Moore fest. Er wagte Exkurse in die Sprache des Expressionismus, blieb dem Naturalismus aber treu. „Als ich das erste Mal die Landschaft sah, glaubte ich, ein Märchen zu erleben.“ 

 

Edith (1894 bis 1979) und Walter (1888 bis 1972) von Sanden-Guja

Nach dem Naturforscher Walter und seiner Ehefrau Edith von Sanden-Guja ist die Oberschule in Lemförde benannt. Nach der Flucht aus Ostpreußen bezog das Paar 1952 ihr Haus in der Von-Sanden-Straße. In seinem getarnten Flachbodenboot für Naturbeobachtungen sammelt Walter alles, was er in seinem Arbeitszimmer mit Blick auf den See aufschrieb. 1965 erhielt Walter von Sanden-Guja den Niedersächsischen Verdienstorden für sein Gesamtwerk und sein Bemühen um den Binnensee. Edith von Sanden-Guja bildet die Tierwelt am Dümmer in Bronze ab und wird vielfach international dafür geehrt. Ihr gemeinsamer Grabstein auf Burlages Friedhof mit dem Bronzekleiber der Künstlerin erinnert an das Leben der zwei Kunstschaffenden am Dümmer. 

 

Erika (1900 bis 1970) und Erich Adolf Klauck (1897 bis 1979) 

Erika Klaucks Werk steht dem Oeuvre ihres Mannes in nichts nach. Sie ist in Trier geboren und mit Erich Adolf Klauck verheiratet. Im Dümmer-Museum stehen versteckt im Archiv drei kleine colorierte Holzschnitte großer Qualität. Ihre Motive findet sie am Dümmer vor der Haustür: Reethaus, Segelboote und Pferd in Feuchtwiese. Ihre Ruhestätte befindet sich in Burlage. 

E.A. Klauck kam von Danzig an den Dümmer. Seine Reisen über den Balkan beflügelten sein Farbeempfinden und prägten seine malerische Anschauung. Er bemalte in Hüde sein Atelier- und Wohnhaus bunt, machte ein offenes Haus mit ausgiebigen Feiern daraus. Dies gehörte zum Lebensentwurf des Künstlerpaares. Seine vielen Bilder blieben meist gegenständlich, ab den 1950er Jahren beeinflusst durch die expressionistische Künstlergruppe „Brücke“ und „Blauer Reiter“. Geld verdiente er am Dümmer mit Auftragsarbeiten im Stil der lokalen Käuferschaft. Das Genie verstarb mittellos in Freistatt. Dort ist er beigesetzt. Seine Werke hängen von Hüde bis Berlin (im Bundesministerium für Arbeit und Soziales), er gilt als Vertreter der zweiten expressionistischen Generation.  

 

Zur These, dass Hüde doch ein Stück wie die anderen Künstlerorte ist, ist auf Meyenbergs Gedenktafel zu finden: „In den 1930er Jahren hatten vier Künstler den Plan „am Dümmer eine Künstlerkolonie anzusiedeln, etwa im Sinne wie Worpswede“. Sie mieteten sich in Hüde ein, im unweit vom Dümmer entfernten „Rabbingschen Haus“, das damals die Adresse „Hüde 49“ hatte. Einer von ihnen war der Bildhauer Fritz Szalinski, mit dem Meyenberg gut befreundet war. Als Szalinski sein Atelier 1954 aufgab, übernahm es Meyenberg.“ 

 

Und was machte der Schriftsteller Arno Schmidt am Dümmer? Das ist eine andere Geschichte. Nur so viel: Die ungewöhnliche Liebesgeschichte „Seelandschaft mit Pocahontas“ entstand als Feriennotiz Anfang der 1950er Jahre und spielt am Dümmer. Das Werk fand posthum in Cotta´s Bibliothek der Moderne den verdienten Platz. Auszug: „So mild war die Luft, man hätte Cremeschnitten damit füllen können…“. (Text und Bilder: Simone Brauns-Bömermann)


Hüder Schulgeschichten und Naschobst

Ein Mann steht neben einer Bank und hält eine Informationstafel in der Hand.
Bruno Matzke bringt eine Infotafel an

Informationsschilder aus Klimaschutzpreis-Zuwendung aufgestellt

 

April 2025. In jedem Dorf gibt es engagierte Einwohner. In Hüde ist es seit langem, und über Gebühr, Bruno Matzke. Er lässt sich immer wieder Neues einfallen, um den Ort und kleine Eckchen zu verschönern, aufzuwerten und für alle Bürgerinnen und Bürger attraktiver zu gestalten. Und: Er organisiert meist das nötige „Kleingeld“ dazu. Sein neuestes Projekt konnte er mit Fertigstellung der Edelstahlgestelle nun anschrauben. Gemeint sind die zwei bedruckten Aluminium-Dibond-Informationstafeln am Regenrückhaltebecken „Koppelweg“ unweit der alten Hüder Dorfschule. Und an einem zweiten Regenrückhaltebecken Ecke Kiebitzweg/Ludwig-Gefe-Straße an der gepflanzten Streuobstwiese mit Wellenbank und Sitzgarnitur. „Hier fehlten uns noch die Erläuterungstafeln“, betont Matzke, der sich privat 2023 bei dem heimischen Energieversorger Westenergie für den Klimaschutzpreis bewarb.

Im Vordergrund eine Infotafel, im Hintergrund eine Wellenbank.
Spannende Hüder Schulgeschichten erfährt man nun an der Wellenbank

Er hatte Erfolg und ihm wurde eine Zuwendung in Höhe von 1.100 Euro zuteil. Am Kiebitzweg ist das „Klima-Dreieck“ mit dem Infoschild , das Radfahrer, Wanderer und Spaziergänger zum Verweilen und Naschen der Früchte in der Streuobstwiese einlädt, fertig. Weitere Bäume konnten im Rahmen der Dorfentwicklung im Kontext Kleinstmaßnahmen am Kiebitzweg und am Koppelweg angepflanzt werden.

 

Matzke fährt immer wieder durch seine Gemeinde und sucht neue Ecken, um seinem Motto „Was kann jeder Einzelne für den Klimaschutz tun?“ treu zu bleiben. Seine Antwort ist: Einen Baum pflanzen und naturnahe Gärten gestalten.

 

„Es wurden klimaresistente Obstsorten an öffentlich zugänglichen Grünflächen gewählt, damit auf öffentlichem Grund für jedermann die Natur eine Chance hat“, so der stellvertretende Bürgermeister. Matzke würde sich sehr freuen, wenn am Koppelweg, wo der Kindergarten der Samtgemeinde neu entstand, die Kinder die Chance bekämen, Obst mit den Erziehern oder Eltern zu pflücken, die Obstbäume zu gießen und vielleicht in der Kita-Küche mal ihr eigenes Apfelmus zu kochen.

 

Das zweite Informationsschild erzählt die Geschichte der Hüder Dorfschule. Matzke bebilderte die kleine Geschichtsstunde mit sieben Bildern aus dem Dorfarchiv, befragte Hüder Zeitzeugen zum Schulbau und zur Nachkriegszeit. Die Hüder-Schulgeschichte beginnt mit einem verheerenden Brand des Schulhauses 1901, wird durch eine Interimsnutzung bei Landwirt Friedrich Wulf fortgeführt bis zum Neubau 1902. 1945 wurde die Schule durch einen Bombenangriff erneut zerstört und in den Jahren 1948 bis 1950 wieder aufgebaut. Die Informationen gehen bis zur heutigen Nutzung als Herberge "Surf & Chords" für Gruppenreisen mit neuem Eigentümer.

 

Das verbindende Element zu den gepflanzten Bäumen am Koppelweg und am ehemaligen Sportplatz der Schule ist Lehrer Hermann Theodor Beimschlahe, vielen Hüdern als Kaiser Rotbart bekannt. „Er führt einen bescheidenen, sparsamen Haushalt. Als Zubrot zum Gehalt als Lehrer an einer kleinen Dorfschule erwirtschaftet er durch das Mästen von zwei Schweinen.“ Beimschlahe hielt zwei Ziegen und 20 Hühner. Im Schulgarten pflanzt er 40 Obstbäume und zahlreiche Beerensträucher und legt einen großen Gemüsegarten an. Im Garten „dürfen“ seine Schüler helfen. (sbb)

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