Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde in Burlage

Die evangelische St. Marienkirche zu Burlage gehört der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers an. Sie ist aus einem Kloster (Benediktiner) hervorgegangen, von dem heute nur noch ein Teil der Kirche und einige Ausstattungsgegenstände erhalten sind. Das heutige Gotteshaus stammt größtenteils aus dem 16. Jahrhundert und liegt in Hüde, Ortsteil Burlage. Im Kircheninneren befinden sich im rechteckigen Saalraum zwei fast ganz umlaufende Emporen, ein prachtvoller Kanzelaltar (um 1713), eine Orgelempore (von 1717) und viele weitere Kunstwerke und antike Einrichtungsteile. Alle zusammen verleihen sie dem Kirchenbau eine besondere Atmosphäre. 

 

Hinweise zur Kirche, zu Gottesdienstterminen und Kirchenöffnungszeiten finden Interessierte auf der Homepage des Kirchenkreises Diepholz: 

https://www.kirchenkreis-diepholz.de/kirchengemeinden_kkdh/kirchengemeinden_kg/burlage_kg

 

Das Gemeinde- und das Pfarrhaus befinden sich in Hüde. Dort ist seit August 2019 die Kinderkrippe "Am See" angesiedelt.

 

Seit dem 1. Juli 2020 ist Bettina Burkhardt die Pastorin in den Kirchengemeinden Brokum und Burlage. Sie ist "mit Leib und Seele Gemeindepastorin". Eines ihrer Lieblings-Bibelworte ist: Freut Euch mit den Fröhlichen, weint mit den Weinenden!" (Röm 12,15).   

 

Adresse:

Ludwig-Gefe-Straße 111 a

49448 Hüde

 

Telefon 05443/ 84 00

eMail kg.burlage@evlka.de


Lebendiges Denkmal - Spirituelles Zentrum

Der Turm der Burlager Marienkirche und ein Teil des Hauptschiffes sind mit ihren weißen Wänden zu sehen. Im Vordergrund sind Grabsteine und Büsche.
Burlager Marienkirche

In Burlages Kirche jeder willkommen. Jochen Selbach erklärt Pastorin Burkhardt die Idee

 

An Kunstschätzen sind viele Kirchen reich. Weniger gemeint sind damit Gold, Prunk oder Zierrat, da ist sich Jochen Selbach als in den katholischen Glauben geborener Kölner Jung, der sich selbst als katholischen Protestanten bezeichnet, sicher.

 

Der pensionierte Rektor aus Lohmar bei Köln setzt sich seit seinem Umzug zu seiner großen Liebe „den Dümmer“ für die Ökumene in den Kirchengemeinden rund um den See aktiv ein. „Ich brauchte Ruhe, ich war gestresst“, sagt er im Gespräch in der heute als Sakristei bezeichneten ehemaligen Kapelle des Benediktinerinnen-Klosters Burlage zu Pastorin Bettina Burkhardt und erläutert seine Bemühungen zur Einheit der Kirche. 

 

Die Kapelle als Relikt des Jungfrauenklosters und mit ihrer Marienstatue aus dem Jahr 1450 ist ein prädestinierter Raum für das Gespräch zwischen den Konfessionen. Denn auch der Raum wandelte ständig zwischen ihnen. 1538 wurde das bis dahin katholisch genutzte Bauvolumen im Zuge der Reformation evangelisch. „Seit 2011 finden in den Sommermonaten unsere Ökumenischen Klosterklang-Andachten hier statt“, ist Selbach stolz auf die Initiierung. In den Andachten wird nach der weltweiten Bewegung „Una Sancta“ für die Wiederherstellung der sichtbaren Einheit der Kirche gemeinsam gebetet.

Eine gekrönte Marienstatue mit blauem und rotem Umhang mit Jesuskind auf dem Arm und dem Blick nach oben gerichtet.
Marienstatue aus dem Jahr 1450

Selbach hat persönlich eine schlüssige Argumentation für die Sinnhaftigkeit der Ökumene: „Mit Kirche meine ich immer die Kirche, in die ich durch die Taufe berufen wurde. Durch die Gnade Gottes gehöre ich zur Kirche und die Kirche gehört zu mir. Alles was sie ausmacht, betrifft mich.  Kirche im umfänglichen Sinne ist immer auch „meine Kirche“. Für ihn ist die Burlager Kirche mit ihrer Klosterkapelle ein lebendiges Denkmal der Zeitgeschichte und sie lädt mit barocker Pracht und gotischer Tradition Menschen aus aller Welt und jeder Religionszugehörigkeit ein. 

 

„Und sie gehört absolut auf die Homepage von Hüde als älteste Kulturstätte der Region“ meint Selbach, der die Kirche ein Bauwerk mit historischer Dimension aus dem 12. Jahrhundert bis zur aktuellen Entwicklung Zukunft weisender Ökumene bezeichnet. Für ihn ist sie ein kirchengeschichtlicher Standort von exemplarischer Bedeutung.

 

Selbach verbindet in seiner Gedankenwelt Denk- und Baudenkmalraum. Als Rektor einer großen Hauptschule im Rheinland und heutiger aktiver Rentner mit freiem Geist diene er seiner Kirche, und damit meint er ursächlich die Einheit der Kirche, immer noch sehr gerne. „Kirche und Welt erlebe ich nicht zuletzt auch dank des Zweiten Vatikanischen Konzils als einen untrennbaren Glaubens- und Lebensraum.“ So sein Lebensmotto.

Jochen Selbach und Pastorin Bettina Burkhardt stehen vor dem Altar in der Marienkirche.
Jochen Selbach und Pastorin Burkhardt

 „Du bist Schulleiter, Dich brauche ich als Kirchenführer“ hatte das Pastorenehepaar Birgit Tell und Konrad Langrehr-Tell 2009 zu ihm gesagt und seit er die Geschichte der Burlager Kirche von Karl-Heinz Schliep (Marl) erklärt bekam, ist er glühender Kirchenführer.

 

Was aber meint er mit Spirituellem Zentrum Burlage, wenn nicht, und das sagt er ausdrücklich, Esoterik hineinspielt, will auch Pastorin Burkhardt zur Definition wissen: „Am Pfingstfest 2019 wurde das Zertifikat „Spirituelles Zentrum der Ökumene“ als Selbstverpflichtung aller Christen für die Einheit der Kirche beten zu dürfen, auch hier in Burlage festlich gefeiert“ erklärt Selbach. Soweit die Form. Den Sinn sieht er so: „So ein Zentrum ist ein Ort der Begegnung aller christlicher Konfessionen. Auch Juden und Muslime, die das Leben in der Welt als Geschenk Gottes verstehen, sind hier herzlich willkommen“, und meint damit ein friedliches Zusammenleben. Die Spiritualität käme im Moment der zwischenmenschlichen Begegnung und damit auch dem interreligiösen Dialog. Für Selbach ist gerade Burlage ein weltoffener Begegnungsort, ein Ort der Toleranz und des Friedens. Das ist weit mehr als die Beschreibung im Kirchenführer des Kirchenkreis Grafschaft Diepholz von 1994. Zu Burlage steht dort: „Sehenswerte kleine Dorfkirche aus dem 16. Jahrhundert, die aus einem Benediktinerinnenkloster hervorgegangen ist…“

Der Turm mit weiß getünchten Wänden und dunklem spitzen Dach ragt xx Meter hoch in den Burlager Himmel.
Der Turm der Marienkirche

Für Selbach spricht das steinerne Haus: „Ja, die Kirche spricht. Als Gotteshaus schweigt sie nie. Als Bauwerk gibt sie Orten, Städten und Landschaften eine unverwechselbare Stimme. Wir hören die Marienkirche zu Burlage hier am Dümmer auch mit ihrem Glockengeläut. Die Kirche spricht nicht nur, sie ruft sogar. Und das schon seit Jahrhunderten“, bekennt sich der Ökumene in seinem Impulsreferat im Lutherjahr, erinnert er sich gut. Und alles passe gut in Burlage: Auch Luther sei ein Marienverehrer gewesen, Selbach möchte sehr gerne in seinem Leben das gemeinsame Abendmahl von Katholiken und Evangelischen erleben. „Ökumene jetzt, wann sonst“, heißt sein Credo und damit lädt er Interessierte ein, nicht nur Burlage, sondern auch die anderen Kirchen der Region zu besuchen.

 

Selbach ist ein Multitalent, er handelt aus dem Bauch, wie bei seinem Umzug in die Dümmerniederung, empfindet Spiritualität, kann aber auch Zahlen, Daten, Fakten. In der Klosterklang-Andacht von Juli benennt er die totalen Kirchenaustrittszahlen in Summe von katholischer und evangelischer Kirche und mahnt mit Überschrift „Denkzettel“.  „Kirchenaustritte katholische Kirche 272 771, evangelische Kirche 270 000. Das macht in Summe: 542 771, geteilt durch 365 Tage gleich 1487 Austritte pro Tag, geteilt durch 24 Stunden gleich rund 61 Austritte pro Stunde. Jede Minute tritt in Deutschland ein Mensch aus der Kirche aus.“

 

Um dem Frust sich zu entfliehen, dichtet Selbach auch: „Weiter Himmel öffnet den Wolkenzug zum Horizont. Auf fruchtbarem Ackergrund bedeckt junges Grün die weite Erde. Zwischen Himmel und Erde steht von weither sichtbar den Blick ins Zentrum des Bildes lenkend eine kleine Kirche.“ So beschreibt er die Burlager Kirche. In nicht Coronazeit ist die Burlager Kirche - Offene Kirche.

Ein Linolschnitt der Burlager Kirche
Die Marienkirche vom Altarraum her gesehen